Guter Schlaf ist für die einwandfreie Funktion des Gehirns unverzichtbar. Für Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kann die Schlafqualität jedoch eine noch grössere Rolle spielen. Verschobene Schlafenszeiten, Einschlafprobleme und wenig erholsame Nächte können Beschwerden wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität, Reizbarkeit und Schwierigkeiten bei der Organisation verstärken. Das kann sich auf Leistungen in Ausbildung und Beruf sowie auf persönliche Beziehungen auswirken.
Laut dem Psychiater Dr. Rafael Fabri ist eine gute Erholungsroutine Teil der ADHS-Behandlung und sollte als wichtige Massnahme zur Verbesserung der Lebensqualität verstanden werden. „Schlaf ist nicht nur eine Zeit der Erholung; er ist unmittelbar an kognitiven Prozessen, dem Gedächtnis, der Emotionsregulation und der Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu halten, beteiligt. Bei Menschen mit ADHS kann ein ungeeigneter Schlafrhythmus bereits bestehende Schwierigkeiten zusätzlich verstärken“, erläutert er.
Häufige Schlafprobleme nicht ignorieren
Wenn das Einschlafen lange dauert, man in der Nacht mehrfach aufwacht oder tagsüber unter ausgeprägter Müdigkeit leidet, sollte dies nicht als normal hingenommen werden. Diese Anzeichen können darauf hindeuten, dass der Schlaf die Kontrolle der ADHS-Symptome unmittelbar beeinträchtigt.
Dem Arzt zufolge ist es ein wichtiger Schritt, diesen Zusammenhang zu erkennen, um wirksamere Behandlungsstrategien zu finden. „Veränderungen des Schlafs können sowohl eine Folge als auch ein Faktor für die Verschlechterung von ADHS-Symptomen sein. Deshalb ist es ein wichtiger Schritt, diese Verbindung zu untersuchen, um die Lebensqualität und die alltägliche Funktionsfähigkeit zu verbessern“, warnt er.
Wie lässt sich die Schlafqualität bei ADHS verbessern?
Das Gehirn arbeitet besser, wenn Abläufe vorhersehbar sind. Ähnliche Zeiten zum Zubettgehen und Aufstehen helfen dabei, die innere Uhr zu regulieren und einen erholsameren Schlaf zu fördern. Dadurch werden Schwankungen reduziert, die Aufmerksamkeit und Stimmung beeinflussen können. Auch am Wochenende trägt ein möglichst vergleichbarer Tagesablauf dazu bei, den zirkadianen Rhythmus zu stabilisieren.
Ausserdem sollten Bildschirme vor dem Schlafengehen vermieden werden. Smartphones, Computer und Fernseher geben blaues Licht ab, das die Produktion von Melatonin beeinträchtigt – jenem Hormon, das den Körper auf den Schlaf vorbereitet. Für Menschen mit ADHS, denen es häufig ohnehin schwerfällt, das Gehirn zur Ruhe zu bringen, kann diese Gewohnheit das Einschlafen zusätzlich erschweren. Eine bildschirmfreie Zeit vor dem Zubettgehen unterstützt den Körper dabei zu erkennen, dass es Zeit für Erholung ist.
Regelmässige körperliche Bewegung kann ebenfalls die Schlafqualität verbessern, Stress senken und das emotionale Gleichgewicht fördern. Wenn sie Teil eines gesunden Alltags ist, kann Bewegung zudem helfen, einige ADHS-Symptome zu kontrollieren. Entscheidend ist, Aktivitäten zu wählen, die zur eigenen körperlichen Verfassung passen, und sehr intensive Belastungen kurz vor der Schlafenszeit zu vermeiden.
Die ADHS-Behandlung geht über Aufmerksamkeitsprobleme hinaus
Konzentrationsschwierigkeiten zählen zwar zu den wichtigsten Merkmalen der Störung, doch bei der ärztlichen Begleitung müssen auch weitere Aspekte des Alltags berücksichtigt werden. Dazu gehören Lebensgewohnheiten und die emotionale Gesundheit. „Die psychiatrische Beurteilung muss über Aufmerksamkeitsprobleme hinausgehen. Schlaf, Gewohnheiten, emotionale Gesundheit, Umfeld und Lebensstil sind Bestandteile eines ganzheitlichen Ansatzes“, erklärt Dr. Rafael Fabri.
Wenn Schlafprobleme über Wochen anhalten oder die tägliche Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen beginnen, ist eine fachärztliche Abklärung wichtig. Die passende Behandlung kann nicht nur den Schlaf verbessern, sondern auch die Lebensqualität und die Kontrolle der ADHS-Symptome. Nach Angaben des Experten ermöglicht das Verständnis dieser Verbindung, für jeden Patienten umfassendere und individuellere Strategien zu entwickeln.
Von Sarah Carvalho
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