Der Wunsch nach eigenen biologischen Kindern ist bei vielen Menschen tief verankert. Für Personen mit Fruchtbarkeitsproblemen kann dieser Wunsch besonders stark sein. Das Versprechen einer unkomplizierten Lösung ist daher schwer zu übersehen – möglicherweise erklärt das, warum die „Mucinex-Methode“ in sozialen Medien im Trend liegt.
Viele Frauen auf TikTok führen eine erfolgreiche Empfängnis auf die Einnahme des weithin erhältlichen Erkältungs- und Hustenmittels Mucinex zurück – oder auf vergleichbare rezeptfreie abschwellende Arzneimittel mit dem Wirkstoff Guaifenesin.
Warum sollte ein Medikament zur Linderung von Husten- und Erkältungsbeschwerden Frauen dabei helfen, schwanger zu werden?
Beim ungeschützten Geschlechtsverkehr werden Spermien im oberen Bereich der Scheide abgegeben. Um die Eizelle zu erreichen und zu befruchten, müssen sie zunächst den Gebärmutterhals durchqueren, einen schmalen Kanal zwischen Scheide und Gebärmutter.
Der Gebärmutterhals steuert den Durchtritt von Spermien wesentlich über die Bildung von Zervixschleim. Im Verlauf des Menstruationszyklus verändern sich sowohl Menge als auch Beschaffenheit dieses Schleims; rund um den Eisprung sind die Bedingungen optimal.
Ist zu viel Schleim vorhanden oder ist er zu zäh, kann dies Spermien daran hindern, zur Eizelle zu gelangen. Die Annahme lautet deshalb, dass Mucinex den Zervixschleim verflüssigen und den Spermien den Weg zur Eizelle erleichtern könnte.
Mucinex und Zervixschleim im fruchtbaren Zeitfenster
Die zunehmende Verbreitung von Apps zur Fruchtbarkeitsbeobachtung hat das Bewusstsein ihrer Nutzerinnen für Anzeichen des fruchtbaren Zeitfensters geschärft. Dazu zählt auch, Menge und Konsistenz des Zervixschleims zu beobachten. Wer die eigenen individuellen Anzeichen kennt, könnte bei einem Kinderwunsch – insbesondere bei Schwierigkeiten, schwanger zu werden – darüber nachdenken, die Chancen auf eine Empfängnis in jedem einzelnen Zyklus zu verbessern.
Ein einfach verfügbares rezeptfreies Produkt wie Mucinex kann dabei wie eine schnelle und unkomplizierte Lösung wirken, die möglicherweise raschere Ergebnisse verspricht als eine Ernährungsumstellung oder andere Veränderungen des Lebensstils.
Es überrascht daher nicht, dass die Frage aufkommt, ob Mucinex oder andere Medikamente mit Guaifenesin tatsächlich als Fruchtbarkeitshilfe geeignet sind.
Wissenschaftliche Belege für Guaifenesin bei Kinderwunsch
Tatsächlich gibt es nur wenige wissenschaftliche Belege dafür, dass Mucinex die Fruchtbarkeit fördern kann. Die am häufigsten zitierte wissenschaftliche Untersuchung stammt aus dem Jahr 1982 und erschien in der Fachzeitschrift Fertility and Sterility. Die Forschenden untersuchten 40 Paare, bei denen Unfruchtbarkeit als ein „Problem des Gebärmutterhalses“ definiert worden war.
Die Frauen erhielten ab dem fünften Tag ihres Menstruationszyklus dreimal täglich 200 mg Guaifenesin. Bis zum Ende der Untersuchung waren 15 der 40 Paare schwanger geworden, was manche als Argument für die Anwendung von Guaifenesin werten könnten.
Da es jedoch keine Vergleichsgruppe gab, die kein Guaifenesin einnahm – also keine Kontrollgruppe –, lassen sich die Schwangerschaften nicht allein auf Guaifenesin zurückführen.
In einer separaten Fallstudie nahm ein Mann über zwei Monate zweimal täglich 600 mg Guaifenesin ein. Die Untersuchung berichtete über eine deutliche Zunahme der Spermienproduktion und -beweglichkeit. Da die Studie jedoch nur einen einzigen 32-jährigen Mann einschloss, konnten die Forschenden nicht bestätigen, dass Guaifenesin die Ursache für diese Veränderung war.
Reckitt, der Hersteller von Mucinex, erklärte, Mucinex solle „nur bestimmungsgemäß und entsprechend den Anweisungen auf dem Etikett verwendet werden“. Die Einnahme von Mucinex bei Unfruchtbarkeit stelle zudem eine „Anwendung außerhalb der zugelassenen Indikation“ dar.
Kann Guaifenesin bei Kinderwunsch schaden?
Zwar wurden bislang keine Zusammenhänge zwischen Guaifenesin und Geburtsfehlern festgestellt, doch es fehlen weiterhin belastbare Daten dazu, wie Guaifenesin die Entwicklung eines Embryos beeinflussen könnte.
Für Menschen mit Kinderwunsch ist die Vorstellung verständlicherweise verlockend, die eigenen Chancen mithilfe eines leicht erhältlichen Medikaments zu steigern. Dennoch reichen die Belege nicht aus, um die Einnahme von Guaifenesin zur Verbesserung der Fruchtbarkeit zu empfehlen.
Verschiedene andere unkomplizierte Veränderungen des Lebensstils können nachweislich dabei helfen, schwanger zu werden. Dazu gehören ein gesundes Gewicht und eine ausgewogene Ernährung, weniger Alkoholkonsum, der Verzicht auf Rauchen sowie ein geringeres Stressniveau.
Wer Schwierigkeiten hat, schwanger zu werden, sollte am besten – und möglicherweise am einfachsten – mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen.
Adam Watkins, Assistenzprofessor für Reproduktionsbiologie, University of Nottingham, und Emma Lucas, Dozentin für Reproduktionsmedizin, University of Sheffield
Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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