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Burnout am Arbeitsplatz erkennen und wirksam vorbeugen

Junger Mann sitzt am Schreibtisch, trägt Kopfhörer und genießt Musik mit geschlossenen Augen im Büro.

Emily arbeitet als Finanzmanagerin und leistet seit mehreren Monaten 60-Stunden-Wochen, um alle Fristen einzuhalten. Inzwischen fühlt sie sich dauerhaft erschöpft – körperlich ebenso wie psychisch.

Aufgaben, die ihr früher Freude bereitet haben, erscheinen ihr jetzt erdrückend, und gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen reagiert sie schnell gereizt. Obwohl sie noch mehr Zeit in die Arbeit investiert, sinkt ihre Produktivität.

Schliesslich meldet sie sich immer häufiger krank und denkt darüber nach, zu kündigen, weil sie das Gefühl hat, nicht mehr weitermachen zu können.

Emily ist von Burnout betroffen. Der Welttag der psychischen Gesundheit 2024 steht im Zeichen der Gesundheit am Arbeitsplatz. Ziel ist es, Menschen wie Emily dabei zu unterstützen, zu erkennen, wann die Arbeit ihr Wohlbefinden beeinträchtigt, damit sie Gegenmassnahmen ergreifen können.

Burnout entsteht, wenn die Anforderungen einer Arbeit über einen längeren Zeitraum hoch sind und ihnen nicht genügend psychische sowie körperliche Ressourcen gegenüberstehen.

Unter diesen Umständen können sich Betroffene nicht mehr ausreichend von ihrer anspruchsvollen Arbeit erholen. Ihre Energiereserven werden schrittweise aufgebraucht. Die Folge sind psychische Erschöpfung, eine zynische und negative Haltung gegenüber der eigenen Arbeit sowie nachlassende Leistung.

Anders gesagt: Menschen mit Burnout können oder wollen in ihrem Beruf nicht mehr voll funktionsfähig sein. Burnout kann in jeder Tätigkeit auftreten, ist aber besonders wahrscheinlich an Arbeitsplätzen mit hohen Anforderungen und wenigen Ressourcen. Das Phänomen ist weit verbreitet.

Ein Bericht der gemeinnützigen Organisation Mental Health UK kommt zu dem Schluss, dass das Land kurz davorsteht, zu einer ausgebrannten Nation zu werden: 91% der befragten erwerbstätigen Erwachsenen gaben an, im vergangenen Jahr irgendwann ein hohes oder extremes Mass an Druck und Stress erlebt zu haben.

Laut demselben Bericht nahmen im vergangenen Jahr sogar 20% der Beschäftigten wegen stressbedingter psychischer Probleme eine Auszeit von der Arbeit.

Ursachen und Folgen von Burnout

Forschungen zeigen durchgehend, dass übermässige und lang anhaltende Arbeitsanforderungen die wichtigsten Ursachen für Burnout sind. Dazu zählen beispielsweise hohe Arbeitsbelastung, Arbeitsplatzunsicherheit, unklare Rollen, Konflikte, Stress oder belastende Ereignisse sowie Arbeitsdruck.

Burnout kann gravierende Folgen haben, vor allem für die betroffenen Menschen. Die Auswirkungen unterscheiden sich zwar von Person zu Person, doch selbst leichte Fälle – die mehrere Jahre andauern können – können zahlreiche negative gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

Dazu gehören arbeitsbezogene Angstzustände und Depressionen, ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen sowie, möglicherweise am alarmierendsten, eine erhöhte Sterblichkeit.

Menschen mit leichtem Burnout laufen zudem Gefahr, ein schwereres Burnout zu entwickeln, das sie für lange Zeit arbeitsunfähig machen kann.

Auch für Organisationen ist Burnout besorgniserregend: Es beeinträchtigt die Kreativität, führt zu einer höheren Personalfluktuation, mehr Fehlzeiten und schlechterer Arbeitsleistung.

Burnout-Symptome rechtzeitig erkennen

Die Anzeichen eines Burnouts unterscheiden sich je nach Person. Mitunter wird Betroffenen erst dann vollständig bewusst, dass sie ausgebrannt sind, wenn sie nicht mehr nur müde, sondern zu erschöpft sind, um funktionieren zu können.

Menschen mit Burnout haben keine Energie mehr und können bereits von kleinen Aufgaben überfordert sein. Sie gehen auf Distanz zu ihrer Arbeit, kämpfen mit Selbstzweifeln und entwickeln eine zynische, negative Haltung gegenüber ihrem Beruf oder den Menschen, für die sie arbeiten.

Um mögliche Burnout-Symptome zu erkennen, kann es hilfreich sein, sich Fragen wie diese zu stellen: Sprechen Sie überwiegend negativ über Ihre Arbeit? Denken Sie weniger über Ihre Arbeit nach und erledigen Sie Ihre Aufgaben fast mechanisch? Widern Sie Ihre Arbeitsaufgaben manchmal an? Gibt es Tage, an denen Sie bereits vor der Ankunft am Arbeitsplatz müde sind? Fühlen Sie sich während der Arbeit häufig emotional ausgelaugt? Fühlen Sie sich nach der Arbeit gewöhnlich erschöpft und ausgelaugt?

Für die Erholung von Burnout und dessen Prävention müssen die Arbeitsanforderungen verringert werden, die Erschöpfung und Distanzierung verursachen. So können etwa eine geringere Arbeitsbelastung und weniger Arbeitsdruck sowie klare Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit dazu beitragen, belastende Anforderungen zu reduzieren.

Auch Arbeitsressourcen können die Auswirkungen beruflicher Anforderungen abmildern. Dazu gehören etwa Einflussmöglichkeiten bei der Arbeit, abwechslungsreiche Aufgaben, soziale Unterstützung, Rückmeldungen zur Leistung, Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung und die Qualität der Beziehung einer Arbeitskraft zu ihrer Führungskraft.

Stehen Menschen viele dieser Ressourcen zur Verfügung, wird der Zusammenhang zwischen beruflichen Anforderungen und Burnout deutlich abgeschwächt, weil sie Beschäftigten helfen, besser damit umzugehen.

Erholung ist möglich

Möglichkeiten, sich von arbeitsbedingtem Stress zu erholen, sind in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Arbeitsressource. Erholung bedeutet, dass Beschäftigte Zeit ausserhalb der Arbeit haben, in der sie sich entspannen und innerlich von der Arbeit lösen können. Dazu können Freizeitaktivitäten zählen, bei denen Menschen einfach Freude erleben, ohne unter Leistungs- oder Wettbewerbsdruck zu stehen.

Studien haben zudem gezeigt, dass Job Crafting eine wirksame Massnahme gegen Burnout ist. Job Crafting bedeutet, dass Beschäftigte kleine Anpassungen sowohl an ihren Arbeitsanforderungen als auch an ihren Ressourcen vornehmen. Sie können ihre Anforderungen senken, indem sie die emotional, psychisch oder körperlich belastenden Aspekte ihrer Arbeit minimieren oder ihr Arbeitspensum reduzieren.

Das kann beispielsweise bedeuten, einen ruhigeren Arbeitsplatz zu suchen. Ebenso können sie ihre Arbeitsressourcen stärken, indem sie sich beruflich weiterentwickeln, mehr Autonomie bei der Arbeit gewinnen und andere um Unterstützung, Rückmeldungen und Rat bitten. Wer Job Crafting über längere Zeit praktiziert, wird weniger Burnout erleben.

Auch Organisationen müssen ihren Beitrag zur Verringerung von Burnout leisten. Verschiedene Interventionsstrategien – etwa Schulungen zum Stressmanagement, auf Achtsamkeit basierende Ansätze oder Regelungen, die es Beschäftigten erlauben, ausserhalb der regulären Arbeitszeit von der Arbeit abzuschalten – sind hilfreiche Instrumente im Kampf gegen Burnout in einer Organisation.

Michael Koch, Reader für Personalmanagement und Organisationsverhalten, Brunel University London, und Sarah Park, Professorin für International Business, University of Leicester

Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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