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Hitze erhöht psychische Gesundheitsrisiken bei Kindern und Jugendlichen

Schüler sitzen in Klassenzimmer an Schreibtischen und konzentrieren sich auf ihre Aufgaben.

Heißes Wetter kann Körper und Psyche gleichermaßen belasten. Mit der fortschreitenden Erderwärmung treten extreme Hitzeperioden zunehmend häufiger auf.

Zugleich wächst die Sorge, dass hohe Temperaturen Stimmung, Verhalten, Schlaf, Lernen und die psychische Gesundheit beeinträchtigen könnten – besonders bei Kindern und Jugendlichen.

Eine weltweite Übersichtsarbeit bündelt nun die Erkenntnisse zu dieser Frage für Menschen bis zum Alter von 25 Jahren.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass heißere Tage mit einem kleinen, aber messbaren Anstieg psychischer Probleme zusammenhängen. Bei manchen Kindern im Schulalter könnte das Risiko während Hitzewellen deutlich höher sein.

Hitze führt zu mehr psychischen Problemen

Die Autorinnen und Autoren werteten 23 frühere Arbeiten aus, die zwischen 2003 und 2024 veröffentlicht wurden.

19 davon untersuchten die üblichen Außentemperaturen im Alltag, während sich vier Studien mit Hitzewellen beschäftigten. Darunter verstanden sie für die jeweilige Region ungewöhnlich heiße Zeiträume.

Über alle Arbeiten hinweg war jeder Anstieg der Tageshöchsttemperatur um 1 °C mit einer Zunahme psychisch bedingter Probleme um 0.9% verbunden.

Zu diesen Folgen zählten Besuche in Notaufnahmen, Krankenhausaufnahmen, ambulante Behandlungen, Anrufe bei Krisendiensten sowie dokumentierte Diagnosen psychischer Erkrankungen.

Kinder im Schulalter sind besonders stark betroffen

Das Alter beeinflusste die Ergebnisse deutlich. Bei Kindern zwischen fünf und 18 Jahren stieg das Risiko für psychische Probleme bei höheren Temperaturen um 1.5%, während die Daten für Kinder unter fünf Jahren keinen eindeutigen Zusammenhang erkennen ließen.

Über alle Altersgruppen hinweg ergab sich in den vier Arbeiten zu Hitzewellen kein klarer Gesamteffekt. Für die Gruppe der Fünf- bis 18-Jährigen lag das Risiko während Hitzewellen jedoch um 25.3% höher als in Zeiträumen ohne Hitzewellen.

„Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Kinder anfälliger für klimabedingte Veränderungen sind, die mit sozialen und entwicklungsbezogenen Belastungen zusammenhängen. Dazu gehören Einschränkungen bei Aktivitäten im Freien, in der Bildung und bei Freizeitmöglichkeiten“, sagte Professorin Jacqueline Stephens, Epidemiologin an der Flinders University.

Warum Hitze die Psyche belasten kann

Hohe Temperaturen können den Körper durch Dehydrierung sowie Veränderungen im Salz- und Flüssigkeitshaushalt körperlich unter Stress setzen.

Hitze könnte zudem Botenstoffe im Gehirn beeinflussen, die sowohl an der Temperaturregulation als auch an der Stimmung beteiligt sind. Die Übersichtsarbeit konnte jedoch nicht klären, welche biologischen Vorgänge für die beobachteten Muster der psychischen Gesundheit verantwortlich waren.

„Zu den Folgen können Schlafstörungen in heißen Nächten gehören, die das Wohlbefinden und die Emotionsregulation beeinträchtigen. Hinzu kommen indirekte Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Eltern, Belastungen durch die Betreuung und Konflikte in der Familie – all dies nimmt während Hitzewellen und extremer Wetterereignisse zu, die immer häufiger werden“, sagte Professorin Stephens.

„Die Jugendzeit ist außerdem eine sensible Phase für die Entwicklung der psychischen Gesundheit, was die Anfälligkeit für extreme Hitze erhöhen kann.“

„Höhere Temperaturen werden bei Kindern außerdem mit schlechteren Lernleistungen und schwächeren schulischen Ergebnissen in Verbindung gebracht.“

Feuchte Regionen weisen das höchste Risiko auf

Wie stark der Zusammenhang ausfiel, unterschied sich je nach Ort.

Die größten temperaturbedingten Risiken zeigten sich in feucht-subtropischen Klimazonen sowie in feuchten kontinentalen Klimazonen mit heißen Sommern. Dort betrug der Anstieg etwa 2% je Temperaturzunahme um 1 °C.

In Ländern mit hohem Einkommen erhöhte sich das Risiko je Anstieg um 1 °C um 1.4%, während sich in Ländern mit mittlerem Einkommen kein eindeutiger Zusammenhang zeigte.

Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren könnte dieser Unterschied eher städtische Hitze, eine umfassendere Erfassung psychischer Probleme und eine stärkere Nutzung von Gesundheitsdiensten widerspiegeln als eine tatsächlich geringere Gefährdung in anderen Regionen.

Studienmitautor Corey Bradshaw ist Matthew Flinders Professor für globale Ökologie an der Flinders University.

„Unsere Modellierung zeigt, dass hohe Temperaturen und Hitzewellen zu mehr Notfallbehandlungen, Angstzuständen und Depressionen sowie Suizidversuchen führen“, sagte Professor Bradshaw.

Er betonte, dass in Ländern wie Australien gezielte Interventionsstrategien eingeführt werden müssten, da extremes Wetter dort immer alltäglicher werde.

Manche Fälle werden vermutlich nicht erfasst

„Kinder und junge Menschen sind besonders gefährdet, weil sie aufgrund ihrer physiologischen und verhaltensbezogenen Anfälligkeit für Hitze noch in der Entwicklung sind und bei extremer Hitze seltener Schutzmaßnahmen ergreifen“, sagte Professor Bradshaw.

„Unsere Übersichtsarbeit ergab zudem, dass die Risiken in entwickelten Ländern höher waren. Dies könnte sowohl die Auswirkungen städtischer Wärmeinseln als auch eine stärkere Inanspruchnahme von Unterstützung gegen die Folgen für die psychische Gesundheit junger Menschen widerspiegeln.“

Das schwächere Muster in Ländern mit mittlerem Einkommen könnte ebenfalls auf nicht erfasste Fälle, eine begrenzte Überwachung psychischer Erkrankungen oder Unterschiede beim Zugang zu Versorgung zurückzuführen sein.

Ein niedrigeres dokumentiertes Risiko bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass Kinder dort weniger stark von Hitze betroffen sind.

Grenzen der Studie

Die Übersichtsarbeit kann nicht belegen, dass Hitze die psychischen Folgen unmittelbar verursacht hat.

Neben der Temperatur können sich weitere Faktoren verändern, etwa Luftverschmutzung, Jahreszeiten und wirtschaftliche Bedingungen. Nur 32% der Arbeiten zu hohen Temperaturen berücksichtigten diese möglichen Einflüsse ausreichend.

Auch zwischen den einzelnen Arbeiten unterschieden sich die Ergebnisse erheblich. Die Autorinnen und Autoren bewerteten die Gesamtlage der Evidenz als moderat und wiesen darauf hin, dass die Erkenntnisse zu Hitzewellen lediglich auf vier Arbeiten beruhten, wodurch diese Schätzungen unsicherer seien.

Zudem bestehen weiterhin große geografische Lücken in der Forschungslage.

Keine der eingeschlossenen Arbeiten stammte aus Afrika oder der Pazifikregion. Außerdem umfasste die Übersichtsarbeit ausschließlich englischsprachige Veröffentlichungen, weshalb Erkenntnisse aus einigen heißen und benachteiligten Regionen fehlen könnten.

Schutz braucht praktische Veränderungen

Trotz dieser Einschränkungen sprechen die Ergebnisse für Hitzepläne, die neben körperlichen Erkrankungen auch die psychische Gesundheit berücksichtigen.

Die Autorinnen und Autoren vertreten die Auffassung, dass Maßnahmen auf die alltäglichen Orte ausgerichtet sein sollten, an denen Kinder ihre Zeit verbringen.

„Diese Ergebnisse unterstreichen, dass wir über die unmittelbaren körperlichen Gesundheitsfolgen extremer Hitze hinausdenken und auch den Schutz der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens von Kindern berücksichtigen müssen“, sagte Dr. Syeda Hira Fatima von der University of Canberra.

„Ein wichtiger nächster Schritt in Australien besteht darin, besser zu verstehen, wo und wie Kinder in ihrem Alltag Hitze ausgesetzt sind, und praktische, auf Kinder zugeschnittene Maßnahmen zu entwickeln.“

Die Forschenden nannten kühlere Klassenräume, eine bessere Belüftung und schattige Außenbereiche als mögliche Maßnahmen.

Zudem sei weitere Forschung erforderlich, um festzustellen, ob solche Veränderungen die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern verbessern.

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