Der Absatz von Proteinpulvern und trinkfertigen Proteinprodukten ist stark gestiegen und erreichte weltweit von 2024 bis 2025 mehr als 32 Milliarden US-Dollar. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher nutzen diese Proteinquellen täglich.
Eine am 14. Oktober 2025 veröffentlichte neue Untersuchung von Consumer Reports kommt zu dem Ergebnis, dass einige dieser Proteinprodukte bedenklich hohe Bleimengen sowie weitere Schwermetalle wie Cadmium und Arsen enthalten. In hohen Konzentrationen sind diese Stoffe mit schwerwiegenden, gut dokumentierten Gesundheitsrisiken verbunden.
Ich bin klinischer Pharmakologe und habe den Schwermetallgehalt von Babynahrung, Kalziumpräparaten und Kratomprodukten untersucht. Blei und andere Schwermetalle kommen in Böden und Wasser natürlicherweise vor; eine Belastung von null wäre daher nicht erreichbar.
Zudem liegt der von Consumer Reports als sicher eingestufte Grenzwert für Bleibelastung deutlich unter den Vorgaben der Food and Drug Administration (FDA).
Unabhängig davon, welcher Sicherheitsgrenzwert zugrunde gelegt wird, zeigt die Untersuchung jedoch, dass einige Produkte pro Portion eine besorgniserregend hohe Dosis an Schwermetallen liefern.
So führte Consumer Reports die Untersuchung durch
Für die neue Untersuchung ließ Consumer Reports 23 Proteinpulver und trinkfertige Proteinprodukte bekannter Marken prüfen. Von jedem Produkt wurden drei Proben an ein unabhängiges kommerzielles Labor geschickt.
Consumer Reports wertete mehr als 0,5 Mikrogramm Blei täglich aus einer einzelnen Quelle als Überschreitung der empfohlenen maximalen Bleimenge. Dieser Wert stammt vom kalifornischen Office of Environmental Health Hazard Assessment, das empfohlene Höchstwerte für verschiedene Stoffe festgelegt hat, die Krebs oder Schädigungen des Fötus verursachen könnten.
Er ist deutlich strenger als der Sicherheitsstandard für Bleiexposition, den die FDA für Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel verwendet. Der Unterschied ergibt sich aus dem Anspruch von Consumer Reports, die Belastung möglichst gering zu halten, gegenüber den realistischeren, aber umsetzbaren Anforderungen der FDA.
Nach Angaben der FDA sollte eine Person über ein einzelnes Nahrungsergänzungsmittelprodukt höchstens 5 Mikrogramm Blei pro Tag aufnehmen. Dieser Wert ist zehnmal so hoch wie der Grenzwert von Consumer Reports.
Daneben verwendet die FDA einen Standard für die gesamte Bleimenge, die täglich sicher über Lebensmittel, Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel zusammen aufgenommen werden kann. Dieser als vorläufiger Referenzwert für Blei beziehungsweise IRL bezeichnete Wert basiert auf Blutbleikonzentrationen, die bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen mit negativen gesundheitlichen Auswirkungen verknüpft sind.
Für Personen, die schwanger werden könnten, beträgt dieser Wert 8,8 Mikrogramm pro Tag, für Kinder 2,2 Mikrogramm pro Tag. Für alle anderen liegt er bei 12,5 Mikrogramm täglich.
Jedes bleihaltige Lebensmittel, Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel trägt zur täglichen Gesamtbelastung bei, die unter diesem Wert bleiben sollte.
Was der Bericht über Proteinprodukte ergab
Die gemeinnützige Verbraucherorganisation stellte fest, dass 16 der 23 getesteten Produkte den Wert von 0,5 Mikrogramm überschritten – also die Bleimenge pro Standardportion, die sie als sicher einstuft.
Vier der 23 Produkte lagen über 2,2 Mikrogramm, dem FDA-Grenzwert für die gesamte tägliche Bleiaufnahme von Kindern. Zwei Produkte enthielten jeweils 72% und 88% der täglichen Gesamtbleimenge, die die FDA für Schwangere als sicher bewertet.
Außerdem fand Consumer Reports bei zwei der 23 Produkte pro Portion mehr Cadmium als nach seiner Einschätzung sicher ist; ein Produkt enthielt mehr Arsen als empfohlen.
Der Sicherheitsgrenzwert der Organisation liegt bei 4,1 Mikrogramm Cadmium täglich und bei 7 Mikrogramm Arsen täglich. Diese Werte entsprechen in etwa den von der FDA empfohlenen Belastungsgrenzen für Cadmium und Arsen aus einem einzelnen Produkt. Für Cadmium setzt die FDA bei einem bestimmten Nahrungsergänzungsmittelprodukt 5 Mikrogramm pro Tag an, für Arsen 15 Mikrogramm pro Tag.
Entscheidend war der Studie zufolge die Proteinquelle: Produkte mit pflanzlichem Protein enthielten neunmal so viel Blei wie Milchproteine wie Molkeprotein und doppelt so viel wie proteinbasierte Produkte aus Rindfleisch.
Woher stammen diese Schwermetalle?
Blei und andere Schwermetalle kommen in hohen Mengen in Vulkangestein vor, das aus geschmolzenem Gestein, dem Magma, unter der Erdoberfläche entsteht. Wird Vulkangestein abgetragen, können die Schwermetalle örtliche Böden und Wasservorräte verunreinigen.
Darüber hinaus sind manche Nutzpflanzen besonders effizient darin, Schwermetalle aus dem Boden aufzunehmen und in jenen Pflanzenteilen anzureichern, die von Menschen verzehrt werden.
Auch fossile Brennstoffe, die aus tiefen Erdschichten stammen, setzen beim Verbrennen Schwermetalle in die Luft frei. Diese Stoffe lagern sich anschließend in Böden und Gewässern ab. Schließlich enthalten auch einige Dünger, Herbizide und Pestizide Schwermetalle, die Böden und lokale Wasserquellen zusätzlich belasten können.
Hohe Schwermetallwerte wurden in pflanzlichem Proteinpulver, Gewürzen wie Zimt, dunkler Schokolade, Wurzelgemüse wie Karotten und Süßkartoffeln, Reis, Hülsenfrüchten wie Erbsenschoten sowie zahlreichen pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln nachgewiesen.
Sollten Verbraucherinnen und Verbraucher besorgt sein? Und was können sie tun?
Ein gelegentliches Überschreiten der empfohlenen täglichen Schwermetalldosen führt wahrscheinlich nicht zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen.
Wiederholte und hohe Belastungen durch Schwermetalle können jedoch schädlich sein. Sammeln sich diese Stoffe im Blut an, können sie die geistige Leistungsfähigkeit verzögern oder beeinträchtigen, Nerven schädigen, Knochen aufweichen und den Blutdruck erhöhen – was wiederum das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte steigert. Schwermetalle können außerdem das Risiko erhöhen, an Krebs zu erkranken.
Wichtig ist, dass die von Consumer Reports beanstandeten Produkte sämtlich Bleigehalte aufweisen, die deutlich unter den von der FDA festgelegten maximalen täglichen Belastungswerten liegen.
Verbraucherinnen und Verbraucher können ihre Belastung begrenzen, indem sie Milchprotein- oder tierische Proteinprodukte wählen, da diese im Allgemeinen weniger mit Schwermetallen belastet zu sein scheinen als pflanzliche Varianten.
Allerdings wiesen einige pflanzliche Proteinprodukte in der Untersuchung keine hohen Schwermetallwerte auf. Da die Belastung in der Umwelt stark schwankt, stellen die Ergebnisse der Consumer-Reports-Studie lediglich eine Momentaufnahme dar.
Sie müssen nicht über verschiedene Chargen hinweg dauerhaft zutreffen, etwa wenn ein Hersteller die Bezugsquelle seiner Rohstoffe wechselt.
Bei Proteinprodukten mit besonders hohen Schwermetallgehalten kann ein seltenerer statt täglicher Verzehr die Belastung reduzieren. Studien deuten darauf hin, dass ökologische pflanzliche Produkte im Allgemeinen geringere Schwermetallgehalte aufweisen als konventionell angebaute Produkte.
Die Untersuchung von Consumer Reports erfasste die Schwermetalle zudem jeweils in einer Portion Proteinprodukt. Deshalb ist es hilfreich zu wissen, was bei einzelnen Produkten als Portion gilt, und den täglichen Verzehr nicht stark zu erhöhen.
Die großen Unterschiede bei den Bleiwerten verschiedener Proteinpulver und trinkfertiger Proteinprodukte verdeutlichen insgesamt, dass Hersteller ihre Produkttests und die gute Herstellungspraxis verschärfen müssen.
C. Michael White, angesehener Professor für pharmazeutische Praxis, University of Connecticut
Dieser Artikel wird unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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